Freitag, September 22, 2006

Ich frage mich, ob ich nicht schon tot bin, aber da wird mir klar, dass sich Tote besser fühlen müssen und ich bin beruhigt. Der Kater der letzten Nacht umgarnt mich wie ein Schleier aus Bier, Zigaretten und etwas, was ich lieber nicht wissen möchte.Ich sollte mir wohl angewöhnen nicht alles zu probieren, was mir Freunde als absoluten Geheimtipp anpreisen. Ich erinnere mich an eine grüne sprudelnde Flüssigkeit, die aus wahrscheinlich einem Dutzend verschiedener Schnäpse und Soda bestand und erschauere. Meine Schulter schmerzt wie wahnsinnig, aber ich ignoriere sie. Jemand hat mal gesagt, Schmerz sei nur Einbildung, aber ich glaube das war auch ein Fußballer.
Ich stehe auf und suche meinen Tabak. Finde ihn irgendwo unter dem Knäuel meiner rumliegenden Klamotten vom Vorabend. Sie leigen so ale wenn mich jemand einfach aus ihnen gebeamt hätte. In sich zusammengefallen übereinander und die Socken stecken noch in den Hosenbeinen.Ich entscheide mich gegen das Rauchen vor der Dusche um meinen Magen nicht jetzt schon zu verärgern und die Kopfschmerzen erträglich zu halten.
Flüchtig schaue ich auf die andere Seite meines Bettes. Wie erwartet leer, aber ich hatte mit nichts anderem gerechnet.
Vielleicht ist es die Pest, die mich dazu verführt Dinge wie letzte Nacht zu tun. Vielleicht ist es aber auch einfach normal sich besinnungslos zu trinken. Nicht das es in dieser Welt einen großen Unterschied macht.
Die Idee die Vorhänge zu öffnen erweist sich als folgenschwer. Ich schaue auf meine Hose und erkenne die üblichen Flecken auf den unteren Hosenbeinen. Eine Mischung aus Bier, Cola und der üblichen kranken Scheiße, wie man sie wohl in jedem Club der Welt finden kann, der etwas auf sein Rockambiente hält. Die Chucks sehen nicht besser aus. Ich frage mich, ob sie je wieder weiß werden würden, aber das ist auch egal.
Mein Handy blinkt traurig vor sich hin. Jedesmal bin ich ehrlich erstaunt, dass ich es am nächten Morgen noch habe. Das Ding ist hartnäckig. Ich drehe mir nun doch eine Zigarette und lese die Nachrichten, die ich im Suff verschickt habe. Es ist das übliche emotionale Gequengel wie jeden Abend. Nichts beunruhigendes, aber immerhin hat jemand geantwortet. Bick meint, ich sollte härtere Drogen nehmen um meinen Verstand auszuschalten. Kein schlechter Ansatz, aber ich erinnere mich schwach, dass mir ein Mädchen im "Breakdown" mal sagte, dass sie meinen Verstand sexy findet und das ist immerhin etwas. Ich versuche mich zu erinnern mit welchem Typen sie in dieser Nacht in die Kiste gestiegen ist, aber es gelingt mir nicht. Ist vielleicht auch besser so.
Vielleicht sollte ich Bick anrufen und ihn Fragen welche Drogen er meint, aber ich will ihn nicht beim vögeln stören und mache mir ein Frühstück und Dusche.

Im Flur treffe ich Tim, meinen Nachbarn.
„Hey, du siehst scheiße aus.“
„Danke“
„Hast gestern gut abgefeiert. Man erzählt sich, du hättest mit Kim auf den Boxen getanzt und wärst übel abgestürzt. Coole Nummer“
Das erklärt meine Schmerzen in der linken Schulter und ich denke nicht, dass mich das so beruhigen sollte, wie es das tut.
„Habe ich sonst noch was getan, was man sich erzählt?“
„Nicht das ich wüsste, aber frag mal Chris, der war auch noch im Break. Alles okay bei dir?“
„Klar, es ist nur die Pest oder sowas. Vielleicht sollte ich mal nicht ausgehen.“
Er schaut mich an als hätte ich grade einen Kindsmord gebeichtet, aber ich störe mich nicht daran und verabschiede mich, bevor er mir noch andere Dinge erzählt, die ich lieber nicht wissen möchte.

Die Sonnenstraße lädt mit ihren Straßencafes zum flanieren und verweilen ein, aber mich interessiert nur die bodenlose Kaffeetasse für 3€ und ich setze mich so, dass ich die Fußgängerzone überblicken kann. Irgendwas ist gestern schiefgelaufen. Vielleicht nicht gestern, denn der Abend klingt nicht anders als andere auch, aber irgendwas muss gestern passiert sein.

Keine Kommentare: