Freitag, Juli 04, 2008

EM-Trauma

Ich habe bisher gedacht, dass die vergangene Fußballeuropameisterschaft keinen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen hätte. Okay, ich vielleicht habe ich eine Abneigung gegen die Partyfans entwickelt, die ich aber nun bis 2010 wieder abbauen kann und mich dann umsomehr aufzuregen. Aber heute ist es dann passiert. Aktion und Reaktion haben sich in mir eingepflanzt als sei ich jahrelang darauf trainiert worden. Nichtsahnend und mal nicht über Fußball nachdenkend gehe ich eine Straße entlang und plötzlich höre ich sie, die Tifosi. Ein lärmendes Hupkonzert und italienische Stimmen. Im Kopf gehe ich alle mir bekannten Spielpläne der italienischen Ligen durch, überlege sogar, ob es einen italienischen Supercup um diese Jahreszeit gibt. Denke an Handball, Basketball und spektakuläre Spielerwechsel in der Serie A und verzweifle fast darüber, welches sportliche Großereignis ich verpasst haben könne. Und dann kommen sie: Festlich geschmückte Autos im Korso, hupend, feiernd. Menschen winken und sehen glückselig aus. War Spanien als EM-Sieger nur ein Traum und wir haben doch gegen Italien gespielt? Der Korso fährt an mir vorbei, ich sehe die Farben der Mannschaft: Sie ist weiß, die Fans tragen Anzüge und die weiblichen Fans Kleider. Zwei Fans stechen heraus, sie tragen einen schwarzen Anzug und sie ein weißes Kleid und sehen glücklich aus.
Die Laute verstummen und ich frage mich, ob ich vielleicht Urlaub vom Fußball brauche.