Donnerstag, März 23, 2006

Zwischen Spülung und Nivea...

ist immer noch Platz für einen Gehirntumor. Ich habe ja seit ein paar Tagen das Vergnügen mich 11 Stunden lang im Reisebüro meines Vaters mit dem alltäglichen Wahnsinn der Kunden rumzuschlagen. Was man dort, man muss bedenken, dass dies eine Lottoannahmestelle mit Reisebüro ist, und auch auf einer kurzen Einkaufstour alles über seine Mitmenschen erfährt, ist schon fast peinlich. So stand ich nichtsahnend vor einem unschuldigen Regal eines Drogeriemarktes dessen Initialien im Nato-Alphabet mit Delta-Mike bezeichnet werden würden, und wollte eigentlich nur eine Spülung (weich und zart oder so ähnlich) in meinen Besitz bringen, als ich mich vergeblich bemühte ohne großes Aufsehen zwei ältere Damen (BDM-Mädchen waren die garantiert!) vorbeizukommen, als ich plötzlich von Sätzen wie "jaja, mein Tumor saß auch direkt hinter dem Auge, aber bei der Gertrude (*Name von der Redaktion geändert) ist das Geschwür ja bis zur... na, Sie wissen schon, ganz unschöne Sache.".
Ich war schockiert, nicht nur, dass mir fast die top-durchgestylte Spülung entglitt, sondern die Damen reagierten noch nichtmal auf meine Frage, ob ich eventuell "da durch" könnte um mir meinen Weg zum Shampoo zu bahnen. Sie redeten einfach weiter über Geschwüre, Tumore und Kopfkrebs... Als ich spontan beim Thema Kopfkrebs (eine meiner üblichen Bezeichnung für verbalen Dünschiss) meinen Beitrag zur Thematik anbringen wollte, wurde ich von verständnislosen Blicken getroffen und ein Kopfschütteln à la "diese Jugend..." war nicht zu übersehen.

Was glauben die eigentlich wo sie sind??? Sollen etwa die Stellagen das Gerede absorbieren? Tausendmal habe ich von meiner Oma Sätze wie, "die Nachbarn müssen ja nicht alles Wissen" gehört und alle alten Menschen tun immer so verschwiegen, aber man braucht nur die richtigen Worte zu finden, damit sich eine Flut von Kriegs- und Krankheitserinnerungen (zumeist auch beides zusammen....) über einen ergießt.

Ein paar Klassiker der letzten Tage:
Zum langen Winter:
"Ja, da hamse Recht. Das ist genauso kalt wie im Winter 45/46!"
Zu Reisen:
"Das stimmt nicht! Das Hotel muss in diesem Katalog sein, denn ich bin im Sommer 87 schließlich mit ITS dort gewesen. Schaunse mal richtig in ihren Computer!"
Tod und Verderben:
"Einmal die Tina bitte! Achso, für den Herrn B. brauchen sie keine Zeitungen mehr zurücklegen. Der ist Tod". (Kundin bei voller Lautstärke im vollen Laden)
"Sei du lieber froh, dass wir `41 vor Moskau keine Schneeketten hatten, sonst würdest Du hier gar keinen Lohn bekommen." (Kunde zu seinem russischen Kollegen)

Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll...

Keine Kommentare: